Hier trifft man den echten Karl May Ein Museum über sein Leben und sein Werk

S achsens wohl erfolgreichster Schriftsteller träumte von fremden Welten und war einer der ersten Popstars der Literatur. Ein Museum in Radebeul bietet differenzierte Blicke auf den Autor, sein Werk – und den wahren Kern seiner Geschichten. Gerade ist das Karl-May-Museum 90 Jahre alt geworden.

Karl May-Fans kennen die Fotos vom Autor in voller Wildwest- und Wüstenmontur. Der Erfinder Winnetous verschmilzt darauf regelrecht mit seinen Figuren. Mit dieser vermeintlichen Authentizität begeisterte May schon seine Zeitgenossen. Denn echte Erlebnisse und ungefilterte Eindrücke standen im 19. Jahrhundert genauso hoch im Kurs wie heute.

Karl May als Old Shatterhand

Karl Mays Abenteuer-Erzählungen waren allerdings erfunden. Als er mit dem Schreiben begann, kannte er eigentlich nur einen Heimatort: Radebeul.

Zu literarischem Ruhm gelangte Karl May über Umwege. Er wollte eigentlich Lehrer werden. Doch dann geriet er mit dem Gesetz in Konflikt: Man hatte die abhanden gekommene Taschenuhr seines Mitbewohners in seiner Tasche gefunden. Seinen Beruf als Lehrer durfte May danach nicht mehr ausüben. Also schlug er sich zunächst als Dieb und Betrüger durch. Insgesamt saß er damals fast acht Jahre im Gefängnis.

Ein großes Glück, muss man sagen: Denn in der Einsamkeit hinter Gittern verschlang May Bücher über die Welt da draußen, las Lexika und Reiseberichte. Als er wieder auf freiem Fuß war, eine Anstellung bei einer Zeitung fand und erste Texte veröffentlichen konnte, hatte er im Kopf bereits die halbe Welt vermessen.

Nach Amerika hatte er da noch keinen Fuß gesetzt. „Ich bin wirklich Old Shatterhand respektive Kara Ben Nemsi und habe erlebt, was ich erzähle“, behauptete er dennoch. Ein Hochstapler? Vielleicht eher: ein begabter Selbstdarsteller und fantastischer Geschichtenerzähler.

In Radebeul bewohnte er die Villa Shatterhand, auf dem Grundstück steht auch das Blockhaus Villa Bärenfett. Die beiden Häuser beherbergen seinen Nachlass und seit 1928 das Karl-May-Museum, das sich um Authentizität keine Sorgen machen muss:

Die Villa Bärenfett und der Museumspark sind dem Wilden Westen gewidmet – sowohl der Faszination für Indianermythen als auch der Wirklichkeit. Eine umfassende ethnografische Sammlung zeigt Leben amerikanischer Ureinwohner damals wie heute.

Zudem sind Mays Arbeits- und Empfangsraum erhalten und als Teil der Dauerausstellung über Leben und Werk des Autors zu sehen – inklusive der für May so wichtigen Privatbibliothek und seiner Gewehre: Silberbüchse, Bärentöter und Henrystutzen waren für die Romanhelden unverzichtbar und für ihn selbst wichtige Foto-Requisiten. Munition besitzen durfte er wegen seines Vorstrafenregisters allerdings nicht – und hätte das möglicherweise auch gar nicht gewollt.

Denn aus dem Abenteuer-Schriftsteller wurde ein überzeugter Anhänger der in Deutschland noch jungen Friedensbewegung. Ab 1899 reiste May wirklich durch die Welt, erst in den Orient, dann in die USA. In seinem Alterswerk tauchen antikoloniale Gedanken auf, ethische Fragestellungen, dazu christliche und spirituelle Motive.

Im März 1912, kurz vor seinem Tod, hielt er seine letzte Rede unter dem Titel „Empor ins Reich der Edelmenschen“ in Wien vor 3000 Zuschauern. Im Publikum saß auch die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, die in ihrem Nachruf auf ihren Brieffreund schrieb: „In dieser Seele lodert das Feuer der Güte.“

Die Villa Shatterhand, Karl Mays ehemaliges Wohnhaus, beherbergt heute die Dauerausstellung über Leben und Werk des Autors

Aktuelle Sonderausstellungen:

„Und Friede auf Erden!“ über Karl Mays Pazifismus und Friedensbewegungen heute. Bis 27. Oktober 2019

„Das Karl-May-Museum: gestern – heute – morgen“ über die Geschichte des Museums und seine (Neubau-)Pläne für die Zukunft. Bis 2. Juni 2019

„Großmystiker trifft Kunstfotograf“ mit Texten von Karl May und Aufnahmen des Kunstfotografen Timm Stütz. Bis 19. Mai 2019