Wir feiern die Stadtteile (8) Striesen

Anzeige F rüher hieß es: "Wer sein Leben will genießen, nimmt sein Bett und zieht nach Striesen" – das Sprichwort ist nicht das neueste, aber seinen wahren Kern hat es deshalb nicht verloren. Besonders im Westen und Süden des Stadtteils kann man stilvolle Villen mit schönen Parks entdecken; der Osten ist von Neubauten geprägt. Hier liegt die "Weinkulturbar" von Silvio Nitzsche, einem der kompetentesten Sommeliers des Landes.

24. Januar 2019

Striesen ist der schönste Stadtteil Dresdens, weil …

… er eine ganz besondere Ruhe und Lebensfreude ausstrahlt. Er ist in sich ausgewogen, was man auch an der Architektur sieht. Es gibt Bauten aus den 70er Jahren und daneben diesen ganz eigenen Striesener Villentypus: Große Gutshäuser mit meist drei Etagen von 200 Quadratmetern. Leider sind im Laufe der vergangenen Jahre viele Geschäfte zu Wohnungen und Büros umgewidmet worden, dadurch ist die Gegend ruhiger geworden. Trotzdem hat sie sich ihre leicht pulsierende, gesetzte Grundstimmung erhalten.

Wie würden Sie Striesen einem Ortsfremden erklären?

In Striesen hat man jeden Tag das Gefühl, als wäre Sonntag. Es ist ein architektonisch sehr wertvolles Viertel, das das nachbarocke Dresden perfekt repräsentiert: mit seinen großen, von alten Eichen gesäumten Alleen, die teilweise gar nicht zu enden scheinen. Wer die Augsburger Straße entlangspaziert, kann mitunter zwei Kilometer weit in die Länge sehen. Alles ist atmosphärisch und geschmackvoll.

Wer fühlt sich in Striesen besonders wohl?

Leute, die sich früher ausprobiert haben und jetzt, mit 30 bis 50 Jahren und zwei oder drei Kindern, mit beiden Beinen im Leben stehen und einfach das Leben genießen möchten.

Wenn Striesen ein Mensch wäre: Wie würden Sie ihn charakterisieren?

Ausgeglichen und erfolgreich; ein Mittvierziger mit leicht ergrauten Schläfen. Außergewöhnlich attraktiv mit einem erfrischenden gesellschaftlichen Humor.

Der passende Soundtrack für einen Spaziergang durch Striesen wäre dieser Song:

Silvio Nitzsche ist gelernter Hotelfachmann und Sommelier und führt seit 2007 die Weinkulturbar in der Wittenberger Straße 86. Die Karte umfasst fast dreitausend Weine. Die Bar wurde von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als „bestes Lokal seiner Art in Deutschland“ ausgezeichnet.