Großer Sport vor großer Kulisse. FIS Skiweltcup Dresden

N ur 30 Autominuten von Dresden entfernt liegt das Erzgebirge. Klar, dass die sächsische Landeshauptstadt wintersportbegeistert ist. Das war nicht zu übersehen beim zweiten FIS Skilanglauf Sprint Weltcup vor der weltberühmten Dresdner Silhouette. Unser Autor Florian Kneffel blickt zurück.

Es wird eng für Federico Pellegrino. Ein paar hundert Meter sind es noch. Nach der Schleife hinter der Augustusbrücke kommt mit dem „Mount Dresden“ der einzige Anstieg der 800m langen Runde am Elbufer. Jetzt müsste er langsam angreifen, um sich noch ein Platz im Einzelfinale sichern zu können. Er schert aus, springt vorbei und gewinnt den Vorlauf. Doch die Freude währt nur kurz. Beim Überholmanöver leistete sich Pellegrino einen folgenschweren Fehler, behinderte seinen Kontrahenten unfair mit dem Stock und wurde von der Jury am Ende auf den letzten Platz gesetzt. Der Favorit ist raus. Ernüchterung.

„Etwas schade, die Sache mit dem Wetter“, höre ich die Dame in der „robotron Skiarena“ am Zieleinlauf neben mir sagen. Immerhin schneite es fast die komplette letzte Woche auch in Dresden. Plusgrade an den Wettkampftagen verhinderten jedoch ein Dresden Winter Wonderland. Der großartigen Stimmung bei der zweiten Ausgabe des Skiweltcups in Dresden tat das keinen Abbruch. Ganz klar – immerhin kamen 150 der besten Skilanglauf-Athletinnen und Athleten aus der ganzen Welt in die Stadt.

Die Leibchen der Sportler hatten eine klare Botschaft: Besucht diese wunderschöne Stadt!

„Ich bin gestern Abend ein wenig durch die Stadt gejoggt – ich schätze es war die Altstadt. Denn die Gebäude sahen wirklich geschichtsträchtig und wunderschön aus. Leider kamen wir etwas spät an und ich konnte nicht so viel sehen. Aber ich hoffe, das heute noch nachzuholen“, sagte mir der spätere Einzelsprint-Gewinner Sindre Bjoernestad Skar aus Norwegen nach seinem Rennen. Auch für die Sportler ist dieser Weltcup etwas Besonderes – kurze Wege, eine pfeilschnelle Strecke und dazu diese spektakuläre Kulisse.

TV-Übertragungen auf der ganzen Welt.

Insgesamt sind rund 50 Millionen Fernzuschauer in Dresden mit dabei – von Skandinavien über NBC in den USA bis hin zum chinesischen Staatsfernsehen. Die Silhouette mit der Frauenkirche geht um die Welt. Allein die Übertragungen im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) sehen am Samstag mehr als drei Millionen Menschen. In der Skiarena, im Sommer der Platz für große Emotionen bei den Filmnächten am Elbufer, feiern mehr als 2.000 Menschen eine riesige Party. 15.000 Skisportbegeisterte pushen ihre Stars an der gesamten Strecke zum Sieg.

Die großen Gewinnerinnen des ersten Tages sind die Schwedinnen. Das komplette Podest beim Einzelwettkampf der Frauen ist in schwedischer Hand. Die Sprint-Olympiasiegerin von Pyeongchang Stina Nilsson steht auch in Dresden ganz oben auf dem Treppchen. Als beste Deutsche schafft es Sandra Ringwald auf Platz Sieben. Ihr drückten die Fans natürlich ganz besonders die Daumen: „Stimmung und Atmosphäre sind hier einfach super. Ich habe schon von vielen Kollegen gehört, dass der Weltcup bereits letztes Jahr großartig war.“

Auch bei den Teamwettkämpfen am zweiten Tag triumphierten die Schwedinnen.

Bei den Männern gab es, wie erwähnt, nicht den sicher geglaubten Favoritensieg. Hinter Skar sicherten sich der Russe Gleb Retivykh und der Norweger Erik Valnes die Plätze zwei und drei in einem spektakulären Finale. Alle drei Verfolger aus Frankreich stürzten.

Der Drittplatzierte Erik Valnes zum Finallauf im Einzelrennen der Männer.

Ein ähnliches Bild ergibt sich am Tag danach bei den Teamwettbewerben am Dresdner Elbufer – gleiche Strecke, gleiche Sieger. Die Schwedinnen und die Norweger feiern jeweils Doppelsiege im Teamsprint und behalten Dresden damit sicherlich in bester Erinnerung.

Auf meinem Heimweg laufe ich dann noch Garrott aus den USA über den Weg – erst Profi-Langläufer, dann langjähriger Team-Manager der Amerikaner und nun Reiseveranstalter: „Ich war dieses Jahr zum ersten Mal beim Weltcup in Dresden, kannte die Stadt sonst nur im Sommer. Es ist der Wahnsinn: diese Silhouette hinter der Strecke – das ist einzigartig. Da macht das Zuschauen direkt noch mehr Spaß. Ein großartiges Event in einer wundervollen Stadt: Für nächstes Jahr werde ich definitiv spezielle Weltcup-Reisen anbieten.“ Na dann, Garrot. Bis nächstes Jahr!