Jan Vogler, Intendant der Musikfestspiele - Interview

Anzeige A m 10. Mai 2018 beginnen die 41. Dresdner Musikfestspiele. In diesem Jahr steht das Cello im Mittelpunkt. Jan Vogler, der Intendant des Festivals, ist selbst Cellist. Hier erklärt er, warum wir Musik so dringend brauchen - und warum das Cello das tollste Instrument ist

Der Titel der 41. Musikfestspiele lautet „Spiegel“. Denn Musik, so schreiben Sie im Vorwort des Programms, spiegle „unsere Emotionen und Gedanken, unser Wertesystem und unsere Visionen“. Warum ausgerechnet jetzt dieser Titel?

Seit einigen Jahren habe ich Titel ausgewählt, die eine Art von Alarm, von Notruf sind. Es gab eine Zeit, in der es ganz klar war, dass eine Gesellschaft durch die kulturellen Aktivitäten der Bürger zusammengehalten wird. Diese Erfahrung droht verloren zu gehen. Hier versuchen wir mit den Festspielen, mit Fantasie und kreativen Angeboten an den schönsten Bereich des Lebens zu erinnern: das gemeinsame Erlebnis, das gemeinsame Staunen über menschliche Höchstleistungen und Inspiration.

Musik löst ja auch Reflexionen aus. Wie würden Sie die Weise beschreiben, in der Musik auf das Leben zurückwirkt?

Ohne Musik ist das Leben trist. Es ist eigentlich ganz einfach, man muss sich der Musik nur aussetzen. Es ist wie das Naturerlebnis, es erklärt sich selbst. Worte greifen hier nur bedingt.

Als Highlight des Programms haben Sie in der Reihe „Cellomania“ 23 der weltweit bedeutends­ten Cellisten eingeladen. Unter welchen Gesichtspunkten haben Sie die Cellisten ausgewählt?

Die Cellowelt ist klein. Es ist ein kleines Grüppchen von Besessenen, für die alles um das Cello kreist. Als Resultat holen diese Cellisten dann besondere Töne aus dem Instrument, jeder auf seine Weise. Die Cellisten von Cellomania bilden den Großteil der Cello-Weltelite.

Sie sind selbst Cellist: Was mögen Sie an Ihrem Instrument besonders?

Es ist unpraktisch und unhandlich, gleichzeitig kann es Töne erzeugen, die der menschlichen Stimme sehr nah kommen, ein Instrument für Romantiker und Poeten. Nun reise ich schon über 30 Jahre mit dem Cello um die Welt, es wird nicht langweilig.

Sie sind Intendant der Musikfestspiele und Künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals, wohnen aber hauptsächlich in New York. Ist diese Distanz zur deutschen Kultur- und Musiklandschaft auch ein Vorteil?

Ja, es hält den Kopf klar und die Sinne wach. Es gibt vielleicht keine zweite Stadt in der Welt, die so intensiv Großstadtleben und ein Traumniveau im kulturellen Leben vereint. New York ist eine tägliche Herausforderung und Inspiration zugleich.

Verändert der Abstand Ihren Blick auf Dresden, wo Ihre Karriere begann?

Nein, zumindest nicht existenziell. Man darf keinen Ort der Welt mit dem Maßstab eines anderen Landes oder Ortes messen, jeder Flecken Erde hat seine ganz eigene Ausstrahlung und Originalität. Aber vielleicht ist genau diese Erkenntnis auch aus der Dresdner Perspektive eine nützliche Sichtweise und Philosophie.

Jan Vogler wurde 1964 in Ost-Berlin geboren, wo er auch studierte. Mit 20 Jahren wurde er Konzertmeister Violoncello an der Staatsoper in Dresden. Diese Position gab er 1997 auf, um sich auf seine Karriere als Solist zu konzentrieren. 2006 erhielt Jan Vogler den Europäischen Kulturpreis und 2011 den Erich-Kästner-Preis für Toleranz, Humanität und Völkerverständigung. Vogler ist Künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals und seit Oktober 2008 Intendant der Dresdner Musikfestspiele.

Die Dresdner Musikfestspiele finden vom 10.Mai bis zum 10. Juni statt. In der Reihe Cellomania präsentieren sich 23 der weltweit bedeutends­ten Cellisten in 11 Veranstaltungen. Aus Anlass seines 70. Geburtstag am 15. Mai zusammen gibt Altmeister Mischa Maisky zusammen mit seinen Kindern, dem Geiger Sascha Maisky und der Pianistin Lily Maisky, ein Konzert. Am 9. Juni 2018 führen Profi-, Hobby- und Laienmusiker bei der Klingenden Stadt einen Nachmittag lang eigene Programme auf.