Krieg und Frieden

F rieden ist ein kostbares, aber zerbrechliches Gut. Dresden ist sich dessen sehr bewusst – und genau deshalb ein passender Ort für das Militärhistorische Museum der Bundeswehr

Text: Thomas Winkler

In luftiger Höhe wird er wieder gegenwärtig, der Krieg. Unter einem nichts als freier Fall, über einem der Himmel, den einst die Bomber durchschnitten. Die Sicht begrenzt von schief laufenden Metallstreben, die den Sturz der Sprengkörper auf die Stadt nachzeichnen. Keine rechten Winkel, keine geraden Flächen, aber das Licht wirft harte Schatten.

Hier oben, im Keil, den Daniel Libeskind durch das Militärhistorische Museum getrieben hat, lösen sich Gewissheiten auf, wird Sicherheit in Frage gestellt, soll die Gewalterfahrung nachfühlbar werden. Seine Spitze zeigt auf das Ostragehege, also dorthin, wo am 13. Februar 1945 die Bombardierung Dresdens begann.

Von außen wirken die 140 Tonnen Stahl, Glas und Beton selbst wie Gewalt, die dem traditionellen Museumsbau angetan wird. Dieser Bruch mit Tradition war die Absicht des Architekten Libeskind.

Denn hier steht zwar noch Militärhistorie drauf und seit seiner Neueröffnung 2011 stellt das Museum auch immer noch Kriegsgerät aus. Doch das Haus setzt sich heute in erster Linie damit auseinander, was Krieg anrichtet und was der Mensch dabei am Menschen verbricht.

Kaum ein Ort wäre besser geeignet für diese Auseinandersetzung als das Militärhistorische Museum.

Errichtet wurde das Gebäude 1873 bis 1877 als Arsenal einer ganzen Kasernenstadt für 20.000 Soldaten der Sächsischen Armee. Schnell wurde es zu einem Ort, an dem Waffen gesammelt und ausgestellt wurden. Wer heute durch das Haus geführt wird, bekommt neben mittelalterlichen Hellebarden und Harnischen auch eine V2 zu sehen.

Und kaum eine Stadt wäre besser geeignet für die Auseinandersetzung mit der zynischen Absurdität des Krieges als jene, in der das Museum seinen Sitz hat.

Die Luftangriffe, die große Teile Dresdens zerstörten, sind bis heute ein Trauma geblieben, das Dresden nicht loslassen will und das jeden Februar wieder neu verarbeitet wird, wenn sich die verheerenden Angriffe jähren.

Dass die Dresdner ihre Frauenkirche, deren Ruine als Mahnmal für die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg in ihr klaffte, wiederaufbauten, das wurde ebenso heiß diskutiert wie das Denkmal aus drei aufgestellten Bussen, das von Anfang Februar bis April 2017 auf dem Neumarkt an die Toten des Krieges in Syrien erinnern sollte. Mitunter werden diese Diskussionen mit unbarmherziger Schärfe geführt. Als Oberbürgermeister Dirk Hilbert im Vorfeld des Jahrestags 2016 sagte, Dresden sei nicht nur Opfer des Krieges gewesen, sondern auch „keine unschuldige Stadt“, wurde er von den Rechtsradikalen, die immer wieder am 13. Februar durch die Innenstadt marschieren, dermaßen bedroht, dass er unter Polizeischutz gestellt werden musste.

Aber auch die großen Kulturinstitutionen verhandeln die Themen Krieg und Gewalt. Etwa die Semperoper, die ihre Spielzeit 2017/18 unter das Leitmotiv „Brüchiger Frieden“ gestellt hat.

Die Gewalterfahrung des 20. Jahrhunderts ist in Dresden durch die Bombardierung ausdrücklich manifestiert. Kein Wunder, dass die Fragen, die der Krieg aufwirft, hier intensiver diskutiert werden als anderswo.

Neben dem Deutschen Historischen Museum in Berlin, dem Haus der Geschichte in Bonn und dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ist das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden das vierte wichtige Museum, in dem die deutsche Geschichte aufgearbeitet und dargestellt wird. Adresse: Olbrichtplatz 2, 01099 Dresden, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, montags von 10 bis 21 Uhr, mittwochs geschlossen. Montag freier Eintritt ab 18 Uhr

Die Semperoper hat sich nicht nur den „brüchigen Frieden“ zum Leitmotiv der laufenden Spielzeit gemacht. Hier wird auch jedes Jahr der renommierte Dresdner Friedenspreis verliehen. Adresse: Theaterplatz 2, 01067 Dresden, die Tageskasse ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Samstag von 10 bis 17 und am Sonntag von 10 bis 13 Uhr