Durch Dresden mit … Christian Thielemann

Anzeige C hristian Thielemann, seit 2012 der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, ist ein weltweit gefeierter Künstler. „Schon bei den ersten Besuchen in Dresden vor drei Jahrzehnten habe ich mich sofort zuhause gefühlt“, sagt er. Vielleicht liegt das daran, dass hier um 1830 seine Vorfahren lebten, wie er bei einer Recherche im sächsischen Staatsarchiv herausfand. Er verriet uns seine Lieblingsorte in Dresden.

Aufgezeichnet von Peter Laudenbach

Das Blaue Wunder

„Ich gehe gern zum Blauen Wunder, die Loschwitzer Brücke über die Elbe. Hier hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt. Man sieht wunderschöne, alte Häuser und denkt manchmal, ach, hier würde ich auch gerne wohnen. Die Dresdner pflegen und lieben ihre alte Architektur. Vielleicht auch, weil durch den Krieg die Innenstadt so zerstört wurde – dann wollte man das, was noch stand, besonders sorgfältig erhalten. Diese Liebe der Dresdner zur Tradition ihrer Stadt ist etwas Besonderes.“

Der Dampfer "Kurort Rathen" vor Loschwitz. Links im Bild das Blaue Wunder

Sweetwater Recordstore

„Das ist ein Plattenladen, wie es sie leider nur noch ganz wenige gibt. Man findet dort ein exquisite Auswahl ganz unterschiedlicher Stilrichtungen: von Rockmusik über Jazz bis hin zur Klassik. Und – davon war ich wirklich begeistert – eine riesige Wand mit klassischen Langspielplatten. Mit meinem ersten Griff in dieses Regal zog ich gleich die „Meistersinger“- Aufnahme der Staatskapelle unter der Leitung Herbert von Karajan heraus. Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Tag. Dort ist ein Foto für die Plakatkampagne zu meinem Amtsantritt entstanden. Das Plakat hängt bis heute an der Tür zu meinem Büro in der Semperoper.“

Jeansmanufaktur Johann Ruttloff

„Johann Ruttloff ist ein wunderbarer Wahnsinniger, er macht maßgeschneiderte Jeans und hantiert mit allen möglichen Stoffen. Er näht die Hosen auf alten Nähmaschinen mit Fußpedal, die er von sonst woher ankauft. Sogar die Nieten und die Knöpfe, die man gar nicht sieht, sind handverlesen, der Mann ist ein Besessener. Ich habe da sicher fünf oder sechs Hosen gekauft. Er hat mir geraten, bestimmte Jeans längere Zeit nicht zu waschen, sondern sie stattdessen lange auszulüften, ein Ratschlag, den ich etwas merkwürdig fand. Und wenn man sie dann doch mal wäscht, muss man sie nicht mit Samthandschuhen anfassen, sie können eine Menge aushalten. Die Stoffe bräuchten diese Behandlung, meinte Ruttloff, nur so entwickeln sie ihre ganze Patina. Diese Hosen sind enorm strapazierfähig und haltbar, sie werden nicht gammelig, sondern altern in Schönheit.“

Johann Ruttloff in seiner Jeans-Manufaktur

Restaurant Alte Meister

„Eines meiner Lieblingsrestaurants: Alte Meister, direkt am Theaterplatz, das ist so etwas wie meine Kantine geworden. Der Chef, Herr Graul, ist ein wunderbarer Mensch, ich mag das historische Gebäude, außerdem ist die Küche einfach gut. Dort habe ich eine kulinarische Spezialität kennengelernt, Kranzlänge, ein sächsischer Kuchen. Geliefert wird er von der Bäckerei Wippler. Diese Traditions-Bäckerei liegt auf der anderen Seite der Elbe, ganz in der Nähe der Brücke Blaues Wunder. Ich habe sie bei einem Besuch gefragt, weshalb sie denn keine Filiale in der Altstadt aufmachen, dann könnte ich da ihre Kranzlänge kaufen. Nein, sie wollen nicht über die Brücke, sie bleiben ihrem Stammhaus treu. Außerdem hätten sie nicht die Kapazitäten, mehr zu backen. Ich muss sagen, ich finde das sehr sympathisch. Ich gönne mir inzwischen, wenn ich in den Alten Meistern bin, nach jedem Essen oder vor dem Konzert zum Espresso so eine Kranzlänge.“

Der Große Garten

„Der Große Garten ist eine einmalige Parkanlage, schon wegen der enormen Dimension. Ich bin sehr gerne dort. Der Barockgarten ist wunderbar. Das Palais ist traumhaft schön, auch wenn es schon länger seiner Renovierung harrt. Das ist ein Gebäude mit historischer Aura, schon Richard Wagner und Robert Schumann haben hier Konzerte dirigiert, ein Ort, der Geschichte atmet.“

Der Große Garten ist die schönste und größte Parkanlage inmitten der Stadt mit dem ältesten Dresdner Barockpalais. Im Vordergrund: "Üppigkeitsvase" von Antonio Corradini

Barockgarten Großsedlitz in Heidenau

„Das ist eine hinreißende Gartenanlage aus dem 18. Jahrhundert. Manchmal fahre ich da am frühen Abend oder nach einer Probe hin und genieße diese Pracht, es ist ja nicht weit von Dresden aus. Nach der Renovierung strahlt der Park jetzt wieder in alter Schönheit.“