Zurück ins Jahr 1719 Jubiläum der Kurfürstenhochzeit

A ls Friedrich August II. die österreichische Kaisertochter Maria Josepha heiratete, kam Dresden 40 Tage lang nicht zur Ruhe. Die größte Hochzeitsparty weit und breit sollte alles in den Schatten stellen. 300 Jahre später erinnert Sachsen an die große Kurfürstenhochzeit – und an das Traumpaar in all seinen Facetten

29. Juli 2019

Lustgondeln anno 1719: Barocker Jetset

Heiratet der Hochadel, ist das immer ein großes Ereignis. Das ist heute so – man denke an die britischen Royals, an Harry, Meghan, ihre Parade und Elton Johns Auftritt ihnen zu Ehren.

Das war aber auch 1719 so. Die Trauung selbst verlief vergleichsweise bescheiden. Friedrich August II. und Maria Josepha hatten bereits in Wien geheiratet. In Dresden sollten dann die Feierlichkeiten stattfinden – und alles in den Schatten stellen.

Der Ausschnitt aus dem Tableau "Ankunft der Diana auf der Elbe" zeigt die Eröffnungsrede der Jagdgöttin. In ihr äußert Diana die Hoffnung, Maria Josepha möge Deutschland viele neue Helden schenken

Am 31. August betraten die beiden sächsischen Boden. Schon ihre Ankunft war ein Ereignis: Das eigentlich beschauliche Städtchen Pirna am Elbufer war zum Flottenstützpunkt geworden. Denn das Traumpaar des barocken Jetsets wollte die letzte Etappe der Reise in Booten zurücklegen. Eine endlose Prozession prunkvoller Gondeln stand bereit – ein Venedig für die Wettiner.

Die Hochzeit jährt sich zum 300. Mal – und einiges kehrt zurück. Zum einen: die Wasserparade. Am 25.8. heißt es: „Lustgondeln anno 1719“. Pirna wird einmal mehr zum Barock-Städtchen. Auf dem Marktplatz wird ab 10 Uhr gefeiert wie 1719 – spontane Tanzkurse inklusive, darauf kann so eine Party nicht verzichten.

Um 14 Uhr legen dann die Boote ab. Allen voran gleitet die MS „Sächsische Schweiz“ über die Elbe. Highlight der Flotte sind vier Nachbauten historischer Gondeln. Für das Hochzeits-Jubiläum eigens angefertigt wurde die sogenannte „Pfauengondel“, ein Lieblingsstück Augusts des Starken, sowie die Venezianische Gondel.

Dabei haben sich die Veranstalter natürlich einige künstlerische Freiheiten erlaubt. Originalgetreu sehen die Gondeln schon aus – aber auf Körperkraft allein müssen sie sich nicht verlassen. Hochmoderne Elektroantriebe unterstützen die Ruderer.

Und ganz authentisch ist der Festtag sowieso nicht. Die Monarchie ist Geschichte, die Parade ist offen für alle: Wer ein seetüchtiges Gefährt hat, folgt einfach den anderen Schiffen. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Auf halber Strecke liegt Pillnitz, das sich dem Barock-Spektakel ebenfalls nicht entziehen kann. Und wenn die Parade am Dresdner Terrassenufer anlegt, wird umgesattelt: In festlichen Kutschen geht es weiter durch die Altstadt bis zum Zwinger. Ab 18 Uhr kommt das Fest langsam zur Ruhe, aber vorher gibt es reichlich Gelegenheit für Selfies im Barock-Kostüm.

 

Der Rolls-Royce unter den Kutschen

Die Kutschen ziehen zwar nur einmal durch Dresden. Wie man sich im 18. Jahrhundert standesgemäß fortbewegt hat, kann man ab 30. August dafür jeden Tag erfahren. „Von Prunkgondeln, Prachtkutschen und Pferdeäpfeln – Unterwegs zur Jahrhunderthochzeit 1719“ heißt die Ausstellung, die noch bis April 2020 im Verkehrsmuseum zu sehen ist.

Standesgemäß unterwegs: Das Verkehrsmuseum Dresden wirft einen Blick auf die luxuriösen Kutschen des 18. Jahrhunderts

Die größte Party weit und breit hatte natürlich eine lange Gästeliste. Zu den Tausenden Fürsten, Grafen und Baronen mitsamt ihrem Gefolge kam noch einmal ein Vielfaches an Händlern und Schaustellern hinzu – und natürlich Publikum aus aller Welt, das sich die barocken Lustbarkeiten nicht entgehen lassen wollte. Wie reiste man, wie bewegte man sich fort, welche Infrastruktur steckte hinter der Hochzeit?

Das Verkehrsmuseum rekonstruiert die Gefährte, die damals über sächsische Straßen rollten. Prachtstück der Ausstellung sind die Luxus-Limousinen von damals: Die Kalesche von August dem Starken ist mit Gold verziert und strahlt buchstäblich Reichtum aus. Und in der Grand Carosse reiste Maria Josepha auf Samt gebettet zur Hochzeit. Im Lichthof des Verkehrsmuseums werden die Kutschen dann zum Leben erweckt – mit Augmented Reality: Diese Technik macht es möglich, sich in die Zeit vor 300 Jahren zurückzuversetzen.

 

Wohnungsbesichtigung

Paraden zu Wasser, Paraden auf den Straßen – was fehlt, ist das Parade-Appartement.

Das hatte August der Starke seinem Sohn und dessen Gemahlin nämlich 1719 im Residenzschloss einrichten lassen. Alles an den Räumen war darauf ausgerichtet, zu beeindrucken, zu protzen und zu repräsentieren. Reich verzierte Tapeten, prunkvolle Möbel, meterhohe Decken – das Vorbild Versailles ist unverkennbar.

Eine Visualisierung des Paradeschlafzimmers. Ab Herbst kann man die restaurierten Räumlichkeiten besuchen

Den Zweiten Weltkrieg überstanden die Räume nicht. Aber nun, nach zehn Jahren Arbeitszeit, sind sie rekonstruiert wieder zu bewundern. Das Bett der kurfürstlich-königlichen Eheleute wurde originalgetreu nachgebaut. Festliche Garderobe ist sogar im Original erhalten: Die Gewänder, die August der Starke zu seiner eigenen Krönung und zur Hochzeit seines Sohnes getragen hat, sind ein Meisterwerk europäischer Textilkunst.

Die Wohnungsbesichtigung im Residenzschloss ist ab dem 30. September möglich.

 

Ein Schloss als Video-Leinwand

Nicht nur die Paraderäume im Residenzschloss sind an den französischen Königshof angelehnt. Schloss Hubertusburg, das prächtige Jagdschloss der Wettiner, galt gleichfalls als „sächsisches Versailles“. August der Starke ließ es 1721 für seinen Sohn errichten. Der wiederum baute die Anlage immer weiter aus. Sogar ein eigenes Opernhaus fand Platz.

Hubertusburg, ehemaliges Jagdschloss des sächsischen Kurfürsten und Königs von Polen

Doch über die Jahrhunderte schwand der Glanz. Die Preußen plünderten das Schloss, es war zeitweise ein Lazarett, später eine psychiatrische Klinik.

Nach wie vor sind die Wände kahl – doch die Restauration zum Jubiläum ist in vollem Gange. Gleich zwei Sonderausstellungen erwecken die vergangene Zeit zum Leben. Denn die nackten Wände sind die perfekte Leinwand für eine 360°-Videoinstallation.

Auf die Wände werden aufwendige Videoinstallationen projiziert

So flimmert und schimmert der Glanz des Hofes heute wieder in Hubertusburg. Und die Ausstellung über das Kurfürstenpaar erinnert daran, wie sehr sich Friedrich August II. und Maria Josepha durch ihre Liebe zur Kunst hervorgetan haben.

1719 reloaded – Dresden feiert das Jubiläum der Kurfürstenhochzeit. Weitere Informationen unter dresden.de/1719

Erfahren Sie mehr über den Beitrag am 24.08. um 18:15 Uhr im MDR Fernsehen